BI Neckartor: Feinstaub macht krank – Resümee / Bahn veröffentlicht nur unzureichend Messberichte

Die Bürgerinitiative Neckartor hat auf ihrer Webseite (hier) eine Resümee der Demo vom letzten Samstag eingestellt. Besonders lesenswert ist die Rede der Ärztin Dr. Angelika Linckh über die gesundheitlichen Folgeschäden der hohen Schadstoffbelastung der Stuttgarter Luft. Sie weist auf die Folgen der massiven Baumfällaktionen in der Stuttgarter Innenstadt und die zusätzliche Belastung durch den Stuttgart 21-Baustellenverkehr hin. Ein Auszug aus ihrer Rede:

Die S21-Baustellen rund um den Hauptbahnhof halten mit ihrem Dreck und mit ihren Baumaschinen und Baufahrzeugen die Luftverschmutzung im Stuttgarter Talkessel auf Rekordwerten. Die Landesanstalt LUBW hat Ende Oktober einen erhöhten Anteil typischen Baustellen-Feinstaubs auf den Staubfiltern nachgewiesen. Von 64 Überschreitungen der erlaubten Tagesmittelwerte am Neckartor sind 14 im Jahr 2014 auf S21-Baustellenschmutz zurückzuführen, auch am Platz vor dem Bahnhof gab es erhöhte Werte. Und 2015 wurde nichts besser. Als Ärztin, die sich der Gesundheit ihrer Patientinnen und ihrer Kinder verpflichtet fühlt, fordere ich seit Jahren den Baustopp von S21 und meine, dass das alle tun sollten, denen es ernst ist!“

Dabei sind die Bauarbeiten rund um den Hauptbahnhof erst schleppend angelaufen. Es werden noch deutlich mehr Lkws als jetzt zum Abtransport des Aushubs und der Anlieferung von Baumaterial unterwegs sein. Doch die  Stadt Stuttgart hat nicht einmal ein aktualisiertes Belastungsszenario für den langjährigen Baustellenbetrieb durch Stuttgart 21 erstellt. Die Netzwerke hatten dies in einem Schreiben an den Oberbürgermeister Fritz Kuhn gefordert. Eine Antwort haben die Netzwerke bis heute nicht erhalten.

Verpflichtende Maßnahmen, wie eingeschränkten Individualverkehr, sind nach dem aktuellen Luftreinhalteplan erst ab 2017 geplant. Man kann nur begrüßen, dass jetzt die Deutsche Umwelthilfe angekündigt hat, wegen unzureichender Maßnahmen gegen die seit Jahren zu hohen Luftschadstoffe Klage einzureichen. Die beiden Stuttgarter Zeitungen haben ausführlich darüber berichtet ( StZ 1 / StZ 2 / StZ-Kommentar /StN 1 / StN 2 ).

Für die Stuttgarter Innenstadt existieren drei Feinstaub-Messtellen: eine am Hindenburgbau am Hauptbahnhof, eine am Neckartor und eine am Schwabenzentrum. Die Bahn betreibt während der Bauzeit noch eine Interimsmessstelle an der Störzbachstraße gegenüber der Logistikfläche. So jedenfalls die Aussage des Immissionsschutzbeauftragten für Luft, Dr. Achim Lohmeyer, auf der letzten Infoveranstaltung für die Anwohner im Stuttgarter Norden.

Doch während die Landesanstalt LUBW Ende Oktober 2015  in ihrem Bericht einen erhöhten Anteil typischen Baustellen-Feinstaubs auf den Staubfiltern nachgewiesen hat, sieht der Immissionsschutzbeauftragte der Bahn keine erhöhte Belastung. Auf der Webseite ist auch lediglich der Bericht für das erste Halbjahr 2014 veröffentlicht . Darin heißt es als Resümee:

Mit der statistischen Methode der Korrelation der Messwerte an den Stationen AKP und NT im Vergleich zu BC konnten durch starke Abweichung von der Regressionsgeraden am AKP und am NT jeweils 9 besonders auffällige Tage selektiert werden. Diese Tage wurden zunächst an hand der meteorologischen Situation untersucht. Für diese Tage wurden Informationen zur Art und Umfang der Bautätigkeiten eingeholt. Die Auswertung ergab 2 Tage, an denen die gemessenen erhöhten Konzentrationen aus Bautätigkeiten resultieren könnten. Der Vergleich mit den an den beiden Tagen durchgeführten Bauarbeiten ergab keine bzgl. Staubemissionen auffälligen Arbeiten. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass S21-bedingte Baumaßnahmen im ersten Halbjahr 2014 nicht zu relevant erhöhten Messwerten an den Stationen Arnulf-Klett-Platz und Neckartor geführt haben.“

Ein Bericht des Immissionsschutzbeauftragten der Bahn für das zweite Halbjahr 2014, der die von der Landesanstalt LUBW festgestellten erhöhten Belastungen durch Baustellenfahrzeuge aufzeigt und bewertet, sucht man vergeblich auf der Webseite der Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm. Ebenfalls ist bis heute nicht der im Staubmesskonzept vom Oktober 2014 angekündigte Bericht zur Messreihe über den Staubniederschlag im Zeitraum vom Juni 2014 bis Mai 2015 veröffentlicht. Dabei soll an folgenden Messpunkten monatlich der Staubniederschlag überprüft werden:

Staubmesspunkte

Weniger im Fokus ist die Abluft aus den Tunnelbaustellen, die zum Teil in der Nähe von Wohngebäuden geblasen wird. Wir haben bereits in unserem Beitrag über diese Veranstaltung darüber berichtet, dass der Immissionsschutzbeauftragte zwar auf Nachfrage einer Anwohnerin des Wartbergs einräumen musste, dass die Abluft aus den Tunnelbewetterungen schadstoffbelastet sei. Messungen am Zwischenanfriff Prag hält er jedoch mit Hinweis auf die Messdaten am Zwischenangriff Nord/Zentrale Baulogistikfläche trotz der völlig anderen Ortsverhältnisse nicht für erforderlich. Das Netzwerk Killesberg und Umgebung e.V. will hier nachhaken.

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