Bahn hält trotz des Zeitverzugs von zwei Jahren am Zeitplan von Stuttgart 21 zum Dezember 2021 fest

Nach einer Pressemitteilung der DB AG (hier) sind auf der Sondersitzung des Aufsichtsrats zu Stuttgart 21 bei „der Überprüfung der aktuellen Termin- und Kostensituation […] die bisherigen Feststellungen des DB-Vorstandes bezüglich Stuttgart 21 im Wesentlichen bestätigt worden. Die Bahn hält weiterhin am Zeitplan für Stuttgart 21 zum Dezember 2021 fest. Allerdings wurde nach Informationen der StZ (hier) die Beratung wesentlicher Punkte allerdings auf die ordentliche Sitzung am 14. Dezember vertagt. Bis dahin sollen die Ergebnisse des Auftragsgutachtens mit den Feststellungen des Bundesrechnungshofs verglichen werden, der die Entwicklung von S 21 weit kritischer sieht.“ Das Aktionsbündnis sieht in dieser erneuten Behandlung einen „wichtigen Teilerfolg“.

Dabei halten es nicht einmal die vom Aufsichtsrat beauftragten Wirtschaftsprüfer für realistisch, dass in einer fünf- bzw. eigentlich nur vierjährigen Bauzeit (2017-2020; 2021 war nach den Plänen ein einjähriger Testbetrieb vorgesehen) eine Zeitverzögerung von zwei Jahren eingeholt werden kann.  Von 2023 oder gar 2024 als Inbetriebnahmetermin ist in dem Gutachten nach Informationen der Süddeutschen Zeitung die Rede. Und der Bahnvorstand hatte im Juni einen erheblichen Zeitverzug einräumen müssen. So hieß es damals in der StZ (hier)

Der Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer will dem DB-Aufsichtsrat am 15. Juni „terminliche Probleme“ bei Stuttgart 21 erläutern und mögliche Lösungen aufzeigen. Ohne entsprechende Gegensteuerung könne der anvisierte Termin der Inbetriebnahme zum Fahrplanwechsel Ende 2021 nicht gehalten werden.“

Wir haben jetzt Oktober. Bis heute hat die Bahn ihre geplanten Gegensteuerungsmaßnahmen, u.a. eine Ausweitung der täglichen Bauzeiten, nicht vorgestellt, für die sie von den Projektpartnern und den Genehmigungsbehörden „mehr Freiheit“ fordert.  Man fragt sich, wie lange sich der Aufsichtsrat, die Projektpartner und die (steuerzahlende) Öffentlichkeit mit dem Mantra einer Inbetriebnahme Dezember 2021 noch an der Nase herumführen lassen. Kein einziger Zeitplan bei Stuttgart 21, den die Bahn den Projektpartnern oder den Anwohnern präsentiert hatte, wurde bislang eingehalten.

Hans-Jörg Jäkel hatte dies als  in seiner Rede an der letzten Montagsdemo als „Grubenmärchen“ bezeichnet:

„Am 16. September hat Bahnchef Dr. Grube in der Grube von Baufeld 16 mal wieder Märchen erzählt. Er hat sich nicht geschämt, erneut den völlig illusorischen Fertigstellungstermin 2021 zu nennen, an dem nach seiner Rede die ersten Züge fahren sollen. Vom Projektleiter des Bahnhofs wird zwar auch eine Fertigstellung 2021 genannt, um den Druck auf die Baufirmen hoch zu halten. Aber, um nicht ganz unglaubwürdig zu sein, wird noch ergänzt, dass dazu 2 Jahre „Gegensteuerungsbedarf“ bestehen. Fragt man dann, welche Maßnahmen für 2 Jahre Gegensteuerung ergriffen werden sollen, bleibt die Antwort aus.“

Wir haben immer wieder über die gegenüber den kommunizierten Zeitplänen eingetretenen oder absehbaren Zeitverzögerungen bei Stuttgart 21 berichtet und möchten in diesem Zusammenhang auf unsere letzten Beiträge hinweisen:

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Baufortschritt, Bundesrechnungshof, Kosten, Zeitplan veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.