Quartalsbericht statt Baufortschritt

Das Kommunikationsbüro hat heute einen 9-seitigen Quartalsbericht zum Baufortschritt und einen Zeitplan in den einzelnen Planfeststellungsabschnitten von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke veröffentlicht. Angesichts des darin vielgepriesenen Baufortschritts beim Projekt Stuttgart 21 reibt man sich doch etwas ungläubig die Augen.

Beim Tunnelbau sind aktuell zum 17.11.2014 lt. Kommunikationsbüro  1.520 Meter, d.h. nur 2,57 % der Gesamtstrecke von rund 60 Kilometer gegraben (Übersicht Netzwerke):

  • Lediglich auf den Tunnelstrecken im PFA 1.5. Richtung Hauptbahnhof (511,4 Meter) und Bad Cannstatt (472 Meter) kommen die Vortriebsarbeiten voran. Doch Anwohner auf der Frühlingshalde, die demnächst unterfahren werden soll,  berichten von einem unterirdischen Bunker, der ihrer Meinung nach die Grabungsarbeiten behindern könnte.
  • Der Tunnelvortrieb am Zwischenangriff Prag sollte Ende 2013 starten und ist jetzt auf Ende 2014 / Anfang 2015 terminiert.
  • Die Arbeiten am Zwischenangriff Ehmannstraße ruhen noch wegen fehlender naturschutzrechtlichen Genehmigungen. Noch im Zeitplan der Bahn vom Juni 2013 war ein Beginn der Hauptbaumaßnahmen für Ende 2014 geplant. Laut Pressemitteilung ist der Start der Vortriebsarbeiten erst für 2016 vorgesehen.
  • In Wangen wurde innerhalb eines Jahres seit der offiziellen Tunnelfeier am 4.Dezember 2013 kein einziger Meter des eigentlichen Eisenbahntunnels, sondern seit Juni vom Schacht aus nur ein 105 Meter langer Verbindungsstollen gegraben. Als Verzögerungsgrund nannte die Bahn ein unerwartet hohes Grundwasseraufkommen. Diese baulichen Probleme treten ausgerechnet in einem Gebiet auf, das nach Aussage der Bahn im Vorfeld angeblich sehr gut geologisch untersucht wurde. Laut Pressemitteilung sollen in den kommenden Wochen die eigentlichen Tunnelvortriebsarbeiten für den PFA 1.6a starten.
  • Der Baustart der Zuführung Ober-/Untertürkheim findet laut Pressemitteilung auf 2015 bzw. 2016 statt. Noch im Zeitplan der Bahn vom Juni 2013 war ein Start der Hauptbaumaßnahmen im Februar 2014 vorgesehen.
  • Im Kernerviertel stocken die Vortriebsarbeiten an der Rettungszufahrt seit Mitte Mai. Gegraben und verschalt wurde bislang nur eine schmale Rettungszufahrt von 166 Metern. Laut Pressemitteilung lagen die Senkungen unterhalb des erwartenden Rahmens. Dennoch war am  Gebäude der Landeswasserversorgung ein Schaden in Form einer Rissbildung festzustellen. Der Start der eigentlichen Tunnelvortriebsarbeiten war mit der Herstellung des Verzweigungsbauwerks, das in der geologisch kritischen Zone zwischen dem ausgelaugten Gipskeuper und der Anhydrit-Zone liegt,  eigentlich ab Juli 2014 vorgesehen. Der Baustart ist jetzt laut Zeitplan ab November angesetzt.
  • Am Filderportal ist die Tunnelvortriebsmaschine rund 4 Monate nach der offiziellen Tunneltaufe noch nicht im Einsatz. Der Start war ursprünglich für September/Oktober und dann für Mitte November angekündigt. Stattdessen wurde noch eine 123 Meter lange West-Röhre bergmännisch vorangetrieben.
  • Scheibchenweise wird deutlich, dass die bereits genehmigte Planänderung im PFA 1.2. für den Einsatz einer Vortriebsmaschine nicht die damit verbundenen logistischen Folgemaßnahmen beinhaltete. So liegt dem Regierungspräsidium ein weiterer Planänderungsantrag für den Bau einer eigenen Autobahnaus- und zufahrt an der A8 vor. Für die Lagerung der Tübbinge fehlt es bislang am Filderportal an ausreichender Kapazität. Dafür sollen laut einem StZ Bericht (hier) mit Hilfe einer weiteren Planänderung zusätzliche Ackerflächen von Landwirten herangezogen werden.

Die Bahn hat laut der  am 20.10.2014 auf dem Lenkungskreis präsentierten Unterlagen zwar von den über 3.168 Grundstücken mittlerweile bei rund einem Fünftel, d.h. 650, die Unterfahrungsrechte eingeholt. Laut Präsentation auf Seite 19 “liegen alle zum Stichtag fälligen, für eine Baufreiheit benötigten Vereinbarungen geschlossen. Hochlauf in 2014 weiterhin anspruchsvoll.”  Dies kann nur im Umkehrschluss bedeuten, dass bereits für die beiden verbleibenden Monate November und Dezember und für die anstehenden Baumaßnahmen in 2015  zahlreiche Unterfahrungsrechte nicht vorliegen und die Bahn gegenüber den betroffenen Eigentümern auf einen schnellen Vertragsabschluss drängen wird.

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