Netzwerk Kernerviertel: Bahn soll Schwallbauwerk begrünen

Für viele ist das fünfzehn Meter hohe Schwallbauwerk der Bahn am Fuße des Kernerviertels an der B14 ein riesiger Betonklotz. Daher hat Frank Schweizer (Netzwerk Kernerviertel / Casa Schützenplatz) zusammen mit dem Dipl. Ingenieur Alexander Biess (Hochschule Anhalt / Paludi Media Lab) ein Konzept für eine innovative Begrünung dieses Bauwerks erarbeitet und sammelt derzeit Unterschriften. Das Schwallbauwerk soll nach dem Konzept von Alexander Biess später so aussehen:

Die Stuttgarter Zeitung (hier) berichtete am Samstag darüber und schreibt: „Die Vision, für die Frank Schweizer nun Unterschriften sammelt, ist eine innovative Begrünung. „Wir wollen eine grüne Wand, die atmet und die Kühle bringt“, sagt er. Statt eines Betongebildes, das Hitze speichert und an die Umgebung abstrahlt. Mit dem Wunsch ist er nicht allein. Der Bezirksbeirat Mitte hatte sich im Mai 2025 einstimmig für ein begrüntes Schwallbauwerk ausgesprochen. „Es war der Hauptwunsch des Bezirksbeirats für den Doppelhaushalt“, sagt Veronika Kienzle, die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte.“

Das Konzept von Alexander Biess zur modularen Begrünung des Schwallbauwerk mit dem Titel „Wie wir Beton zum Atmen bringen – Stuttgart 21 als grüne Chance“ finden Sie hier (Teil1 / Teil 2 / Teil 3 / Teil 4 / Teil 5). Es soll mehr als eine grüne Fassade sein, sondern das Bauwerk dämmen, Luft filtern, das Mikroklima verbessern und im Sommer etwas zur Kühlung beitragen; gleichzeitig wartungsarm und digital überwacht. Das begrünte Schwallbauwerk soll als Schwamm Wasser speichern und auch als Puffer bei Starkregenereignissen fungieren. Drittmittel könnten für dieses Projekt eingeworben werden.

Alexander Biess schreibt dazu: „Ich beschäftige mich seit mehreren Jahren intensiv mit dem Thema Fassadenbegrünung, wobei mein besonderer Fokus auf einem innovativen Substrat liegt, das aus einem übergeordneten Forschungsansatz entstanden ist: der Wiedervernässung von Mooren – nicht nur als Naturschutzmaßnahme, sondern als Wertschöpfungsstrategie. In Deutschland gibt es rund 1,8 Millionen Hektar trockengelegter Moorfläche. Diese entwässerten Moore sind für erhebliche CO₂-Emissionen verantwortlich – in einem Ausmaß, das in etwa dem gesamten innerdeutschen Flugverkehr entspricht. Es gibt bereits spannende Forschungsansätze, etwa vom Greifswalder Moorzentrum oder der Hochschule Weihenstephan. Meine eigene Arbeit setzt an der Frage an, wie die aus wiedervernässten Mooren gewonnene Biomasse über dezentrale Verteilernetzwerke in die Produktion nachhaltiger Baumaterialien überführt werden kann.“

Seine Präsentation zur Begrünung des Schwallbauwerks im September 2025 vor dem Bezirksbeirat fand großen Anklang, weil der Bezirksbeirat die Begrünung der Innenstadt im Rahmen des Bürgerhaushalts oberste Priorität eingeräumt hat. Allerdings wurde dieses Votum wurde vom Gemeinderat bei den Haushaltsberatungen ignoriert. Die Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm (PSU) verweist auf die Stadt als zuständige Instanz. Eine Stellungnahme des Stadtplanungsamtes steht noch aus.

Wir haben seit 2015 immer wieder über das Schwallbauwerk berichtet, das der Entschwallung und Entrauchung des Tiefbahnhofs und der Tunnelbauwerke dienen soll. Entschwallung bedeutet, dass der Luftschwall der einfahrenden Züge über dieses Bauwerk entweichen soll. Nach dem Brandschutzkonzept sind vier Hochleistungs-Axialgebläse vorgesehen, die den Rauch über die Lichtaugen aus dem Tiefbahnhof blasen sollen. Die vier Hochleistungsventilatoren sollen im Brandfall und bei regelmäßigem Test- und Wartungsbetrieb eingesetzt werden.

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