Tragfähiges Vortriebskonzept Richtung Obertürkheim noch zu entwickeln. Zum Vortriebsstand der Stuttgart 21-Tunnel Ende September 2018

Nach unserer Sommerpause möchten wir wieder über den Baufortschritt beim Tunnelvortrieb für Stuttgart 21 informieren. Vorneweg unsere Tabelle über den Stand zum 24.09. 2018 die wir aus den Zahlen zusammenstellen, die wöchentlich auf der Webseite der Projektgesellschaft veröffentlicht werden:

Aktuell sind mit 41,9 Kilometer  71 % der Tunnelstrecke für Stuttgart 21 vorgetrieben; die detaillierten Stände in den einzelnen Tunnelröhren finden Sie in unseren Übersichten ab Oktober 2015 / bis September 2015. Die Aufstellung der Vortriebsstände der letzten Wochen zeigt, dass seit der Pause des maschinellen Vortriebs in den letzten beiden Monaten aufgrund der technisch anspruchsvollen Abschnitte die Vortriebsleistung drastisch gesunken ist. In den letzten vier Wochen waren es mit durchschnittlich 6 Meter am Tag gerade einmal 173 Meter, in den letzten zwei Monaten insgesamt 365 Meter.

Hier die Tunnelvortriebsstände anhand der von der Projektgesellschaft veröffentlichten Grafiken:

b) Fildertunnel

  • Anfang August 2018 erreichte die 120 Meter lange Tunnelvortriebsmaschine auf ihrer dritten Schildfahrt von Degerloch Richtung Innenstadt die Wendekaverne unter der Gerokstraße (hier).
  • Anfang September meldete die StZ (hier), dass bereits der Bohrkopf in der Wendekaverne unter der Gerokstraße gewendet wurde. Am 19.September meldete eine Pressemitteilung der Projektgesellschaft (hier), dass auch die zerlegten mehrstöckigen Wagen erfolgreich gewendet wurden. Die Maschine wird jetzt nach dem Wendevorgang „wieder zusammengebaut und startet in diesem Herbst zu ihrer letzten von vier Schildfahrten.“ Am Ende der Pressemeldung findet man auch ein Video über den Wendevorgang des Bohrkopfes der Maschine.
  • Wegen des kritischen weichen Gesteins und des großen Querschnitts (jeweils zwei Gleise) sieht die Bahn Hebungsinjektionen für den Anfahrbereich Süd unter dem Kernerviertel vor. In den den letzten Monaten wurden die ersten Wohnhäuser von den beiden Schächten in der Sänger- und Urbanstraße mittels Betoninjektionen in den Untergrund angehoben. Der Vortrieb startet vom Verzweigungsbauwerk unter der Jugendherberge aus auf Höhe der Werastraße. Laut Auskunft eines betroffenen Eigentümers sollen die ersten Häuser in der Kernerstraße Ende Dezember bzw. Anfang des Jahres unterfahren werden. Ihm wurde auch seitens der Bahn angekündigt, dass wegen dem durch die Betoninjektionen verhärteten Untergrund auch ein Meißelvortrieb zum Einsatz kommen kann.
  • Wegen der schwierigen Geologie unter dem Kernerviertel sind die Arbeiten für den nur 300 Metern langen Abschnitt auf zwei Jahre angesetzt. Laut letzter Infoveranstaltung ist pro Tag ein maximaler Vortrieb von 35 bis 40 cm geplant.

  • Die beiden Röhren des oberen und mittleren Fildertunnels sind aufgefahren. Laut der  Grafik sind die bergmännischen Arbeiten für den Vortrieb der Querstollen im oberen Fildertunnel weitgehend abgeschlossen.

c) Bad Cannstatter Tunnel

  • Die beiden eingleisigen Bahnröhren sind vorgetrieben. Beim Vortrieb des zweigleisigen Abschnitts Richtung Rosensteinportal am Neckarhang kommen die Vortriebsarbeiten allerdings nur schleppend voran. In den letzten beiden Monaten waren es rund 38 Meter, in den letzten vier Wochen 0,4 Meter am Tag. Möglicherweise hängt dies mit den komplexen Bauarbeiten für das Kreuzungsbauwerk zusammen.
  • Nach dem zuletzt im Lenkungskreis präsentierten Zeitplan sollen die Rohbauarbeiten des Bad Cannstatter Tunnels einschließlich Innenverschalung Ende 2020 abgeschlossen sein. Allerdings findet man auf der Folie den Hinweis auf „Abstimmung eines aktualisierten Zeitplans unter Berücksichtigung der Störzone Kriegsberg, des Anhydritbereichs sowie der Juchtenkäferthematik und der Schnittstelle zum Ausbau.

d) Feuerbacher Tunnel

  • Mit dem zweiten Durchschlag des Feuerbacher Tunnels Mitte Juli (hier) sind die Vortriebsarbeiten der beiden Röhre unter dem Kriegs- und Killesberg sind abgeschlossen.
  • Damit war für die Anwohner des Zwischenangriffs Prag die Hoffnung verbunden, dass die laute und vibrierende Tunnelbelüftung einen deutlichen Schritt weiter heruntergefahren werden kann. Dies ist jedoch nach Rückmeldungen aus dem Wartberg nicht der Fall. Die Belastung sei gleich geblieben.
  • Zur Fertigstellung des Tunnelvortriebs fehlen noch Richtung Feuerbacher Bahnhof rund 250 Meter, die laut StZ erst 2019 realisiert werden sollen.
  • Weiterhin laufen die im Feuerbacher Tunnel Injektionsarbeiten, die das Eindringen von Wasser in das Anydritgestein verhindern sollen. Die StZ berichtete Ende Mai über Unterbrechungen beim Vortrieb des Feuerbacher Tunnels und der Kritik der Baufirma an der Nachhaltigkeit der Abdichtungsarbeiten mittels Injektionen.
  • Aufgrund der schwierigen Geologie ist laut dem Zeitplan auf der Lenkungskreisfolie der Abschluss der Rohbauarbeiten einschließlich Innenverschalung erst für Mitte 2021 vorgesehen.

e) Obertürkheimer Tunnel

  • Der Vortrieb des Obertürkheimer Tunnels unter der Uhlandshöhe, Gänsheide, Gablenberg und Wangen ist abgeschlossen. Laut Pressemitteilung sollten anschließend vom Zwischenangriff Wangen aus die Arbeiten zur Innenverschalung der beiden Tunnelabschnitte Richtung Innenstadt starten.
  • Mitte April berichtete die StZ über die Unterbrechung der Vortriebsarbeiten des Tunnels Richtung Untertürkheim wegen der Pfahlgründung des Stadtbads Untertürkheim. Jetzt wurden in den letzten vier Wochen die beiden Röhren 32 bzw. 22 Meter vorangetrieben. Die Unterfahrung des Hallenbads dürfte damit erfolgt sein.
  • Weiterhin kommen die beiden Vortriebe Richtung Obertürkheim nur stockend voran. Der Bau der Oströhre ruht seit Ende Juni. In der Weströhre wurden im letzten Vierteljahr insgesamt 35 Meter aufgefahren. Laut letzter Lenkungskreisfolie laufen die Vortriebe „im Schutz umfangreicher Abdichtungsarbeiten der Auslaugungsfront“.  Allerdings ist laut einer EU-Bekanntmachung vom 7.September  die Baufirma ARGE 21 in der schwierigen Geologie des Neckartals auf der Suche nach einem „tragfägigen Vortriebskonzept“.  Darin heißt es: „Die vorgefundene Geologie erfordert eine Prüfung möglicher Ausführungsvarianten zur Erreichung eines tragfähigen Vortriebskonzeptes.[…] Ein Auftragnehmerwechsel ist aus wirtschaftlichen und bauablaufbedingten Gründen nicht vertretbar. Des Weiteren ist ein Wechsel des Auftragnehmers mit erheblichen Schwierigkeiten und Zusatzkosten verbunden. Bei der vorliegenden angeordneten Unterbrechung der leistungsorientierten Vortriebe der Röhren Richtung Obertürkheim scheidet dies aus wirtschaftlichen Gründen aus, einen neuen Auftragnehmer zu beauftragen, um geologiebedingte Vortriebslösungen für den Auftragnehmer-Bau zu entwickeln.“ Das Netzwerk Untertürkheim hatte in der Vergangenheit  mehrfach auf mögliche Schwierigkeiten durch die kritische Geologie im Neckartal hingewiesen. Der Nachtrag scheint dies erneut zu bestätigen.
  • In dem Mitte August in der StZ veröffentlichten Artikel (hier) zum Tunnelbau Richtung  Obertürkheim und den aufwendige Vorarbeiten für den Trogbau mit Gleisverschwenkungen ist nicht davon die Rede.
  • Nach dem im Lenkungskreis vorgestellten Zeitplan sollen die Rohbauarbeiten des Obertürkheimer Tunnels einschließlich Innenverschalung Ende 2021 abgeschlossen sein.

f) S-Bahn-Tunnel

  • Rot eingezeichnet sind die bereits gebauten Tunnelabschnitte für den neuen S-Bahn-Tunnel. Grün die Bestandsstrecke.
  • Beim Tunnelabschnitt Süd (496 Meter Richtung Hauptbahnhof) sind laut den von der PSU veröffentlichten Zahlen die Vortriebsarbeiten noch nicht angelaufen. Laut den Zahlen fehlen im nördlichen Abschnitt im Tunnel vor Haltestelle Mittnachtstraße noch rund 441 Meter.
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