Zum Beginn der mehrjährigen SSB-Streckensperrungen: Wie die Bauarbeiten für S21 in den öffentlichen Raum eingreifen

Die Bauarbeiten für Stuttgart 21 am Südkopf des „Tiefbahnhofs“ und der dadurch erforderlichen Verlegung der Stadtbahnhaltestelle „Staatsgalerie“ greifen massiv in den öffentlichen Verkehrsraum ein. Dies bekommen ab Dienstag viele SSB-Fahrgäste zu spüren. Statt der ursprünglich in der Planfeststellung vorgesehenen 14-tägigen SSB-Betriebsunterbrechung  sind nach offziellem Planungsstand 3,25 Jahre SSB-Streckensperrungen bzw. damit verbundene Linienumleitungen geplant.

Nach den ersten, im Oktober 2013 vor dem Umwelt- und Technikausschuss vorgestellten Plänen, über die die  Stuttgarter Nachrichten (hier) berichtete, sollten die Bauarbeiten zur Verlegung der Haltstelle und dem Neubau der unterirdischen Zulaufstrecken 63 Monate bis 2019 gehen. Dies war auch noch der Zeitplan, der im Juni 2014 auf einer Infoveranstaltung im Juni 2014 vorgestellt wurde.

Jetzt wird ab Dienstag die Stammstrecke zwischen den beiden Haltestellen „Staatsgalerie“ und „Charlottenplatz“ für 15 Monate bis August 2017 gesperrt. Die Linien 1 und 2 werden über den Hauptbahnhof umgeleitet. Die Linie 4 unterbrochen. Die SSB nennt dieses Betriebsszenario „Netz 2016″. Auf der SSB-Webseite sucht man allerdings vergeblich ein Enddatum. Die beiden Stuttgarter Zeitungen (StN) berichten heute ausführlich über die Umstellung auf das „Netz 2016“ und auch über die Zahl der Betroffenen. Dennoch erhöht der VVS erneut die Fahrpreise (StZ ).

Anschließend soll im Betriebsszenario „Netz 2017“ die Stammstrecke ab der Haltestelle „Staatsgalerie“ Richtung Hauptbahnhof ab August 2017 für zwei Jahre gesperrt werden.  Allerdings erklärte Winfried Reichle, der Infrastrukturleiter der SSB für Stuttgart 21, auf der Anwohnerverstaltung im Oktober 2015, dass dieser Zeitraum vorläufig und vom Baufortschritt der Bahn beim Bau des Nesenbachdükers und des Tiefbahnhofs abhängig sei. Winfried Reichle kommentierte dies auf der Veranstaltung mit dem Nebensatz, „bis wir halt fertig sind“.

Dass auch mit einem längeren Zeitraum für das eingeschränkte „Netz 2017“ zu rechnen ist, zeigte der Anfang Januar an den „Tagen der Baustelle“ ausgehängte Bauzeitenplan. Dieser weist eine Sperrung des SSB-Stammastes Richtung Hauptbahnhof bis Januar 2020 aus und damit für 2,5 Jahre. Zwar titulierte die Bahn diesen Zeitplan als veraltetes „Worst-case-Szenario eines Workshops“. Dieses Szenario hatte der Infrastrukturleiter der SSB für Stuttgart 21, Winfried Reichle, im Januar 2016 gegenüber den Stuttgarter Nachrichten nicht dementiert, sondern mit den Worten „Das kann schon sein“, kommentiert.

Dabei sind über dieses „Worst-case“-Szenario“ weitere Bauverzögerungen wegen der erst für Sommer bzw. Herbst erwarteten Freigabe der Bodenplatte für den „Tiefbahnhof“ nicht ausgeschlossen. Nach dem im August 2014 vorgestellten Zeitplan hätte das Trogbaufeld 22, auf dem die SSB ihre neue Haltstelle „Staatsgalerie“ bauen will,  bereits im April 2016 fertig gestellt werden sollen, nach dem Worst-case-Szenario im Juli 2016. Auch daraus wird nichts. Der Startbeginn für den eigentlichen Bauabschnitt der neuen SSB-Haltestelle „Staatsgalerie“, die nach den offiziellen Planungen im Juli 2018 in Betrieb gehen sollte, wird sich verzögern. Weitere Verzögerungen der Bauarbeiten am Südkopf sind wegen des komplexen Bauablaufs sind nicht ausgeschlossen. Über die Abhängigkeiten der Bauarbeiten haben wir in unserem Beitrag „Umwege und komplexe Bauabläufe: zum Baustart des Nesenbachdükers am 8.Juni 2015“ berichtet.

Doch nicht nur die SSB-Fahrgäste sind von den Bauarbeiten am Südkopf betroffen. So sind die Fußwege zwischen dem Kernerviertel und dem Hauptbahnhof bereits seit knapp einem Jahr mit Umwegen verbunden. Die Autofahrer müssen seit letzter Woche komplizierten „Fahrspurverschwenkungen“ am Gebhard-Müller-Platz und der B 14 folgen. Die StZ berichtete gestern (hier) darüber.

Weniger bekannt ist, dass für den Bau des Südkopfes des „Tiefbahnhofs“ und der Gestaltung seines Südausgangs auch die B 14 abgerisssen bzw.  auf 120 Meter Länge tiefergelegt werden soll. Noch 2013 plante die Stadt Stuttgart diese Bauarbeiten für 2017 nach Fertigstellung der neuen Haltstelle  „Staatsgalerie“. Nach dem auf den „Tagen der offenen Baustelle“ aushängten Bauzeitenplan sind diese  Bauarbeiten an der neuralgischen Hauptverkehrsachse der Stadt für viereinhalb (!) Jahre zwischen Januar 2019 und Juli 2023 geplant.

Aber dabei handelt es sich – wie erwähnt-  laut Bahn um ein veraltetes „Worst-case-Szenario“ eines Workshops. Warten wir es ab…

Kritisches zu den SSB-Streckensperrungen bzw. -umleitungen wegen Stuttgart 21 : www.s21irrtum.blogspot.de /www.unsere-stadtbahn.de /Tunnelblick Ausgabe Mai 2016 „SSB 21“ /Rede von Jürgen Schwab auf der 204.Montagsdemo

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