Umwege und komplexe Bauabläufe: zum Baustart des Nesenbachdükers am 8.Juni 2015

Nach einer Pressemitteilung des Kommunikationsbüros (hier) starten die Baumaßnahmen zur Herstellung des Nesenbachdükers am 8.Juni 2015.

Die Baumaßnahme hat Auswirkungen auf die Laufwege zwischen Kernerviertel und Innenstadt. Ab dem 27.Mai 2015 wird der direkte Fußweg zwischen der U-Bahn-Haltestelle Staatsgalerie und dem Hauptbahnhof (Bonatzbau) und der Innenstadt gekappt. Diese sind nur noch über Umwege, z.B. über die Strecke Planetarium-Innenminsterium-neuer Steg, erreichbar. Wir haben bereits in unserem Beitrag „StZ: Neue Laufwege entlang der Trogbaustelle geplant“ darüber berichtet:

In diesem Zusammenhang soll noch einmal erwähnt werden, dass nach der ursprünglichen Bauplanung von 2010 der Nesenbachdüker bereits 2013 fertiggestellt an die Stadt Stuttgart übergeben werden sollte. Der Baustart zog sich anfangs wegen einer geplatzen Ausschreibung und später u.a. wegen einer von der Baufirma Züblin AG vorgeschlagenen Umplanung (verkürzter Düker in offener Bauweise statt bergmännisch im Druckluftverfahren) hin. Die Planänderung wurde schließlich im November 2014 vom Eisenbahn-Bundesamt trotz der damit verbundenen Eingriffe in den öffentlichen Verkehrsraum genehmigt. Obwohl das EBA in seinem Bescheid wegen drohender weiterer Bauverzögerungen sofortigem Vollzug angeordnet hatte, tat sich im darauf folgenden halben Jahr – bis auf den Bau der erforderlichen Fußgängerrampe – nicht viel auf der Baustelle.

Der Nesenbachdüker ist eine „Achillesferse“ der Baumaßnahmen rund um den „Tiefbahnhof“, seinem Anfahrbereich Süd und den SSB-Bauarbeiten zur Verlegung der Haltestelle Staatsgalerie sowie der neuen SSB-Tunnel Richtung Hauptbahnhof. Die Verflechtungen dieser Baumaßnahmen mit dem Baufortschritt des in offener Bauweise zu erstellenden Nesenbachdükers werden aus der Präsentation der Bahn auf der Bezirksbeiratssitzung Mitte vom 11.März 2013 ab Seite 29ff deutlich.Hier ein Auszug (Phase 8):

Auch die Begründung des EBAs im Planänderungsbescheid auf Seite 43 für den sofortigen Vollzug zeigt die zeitlichen Abhängigkeiten auf:

… Ohne Vorliegen des Änderungsbescheides kann die Vergabe der Ausschreibung für
die Haltestelle Staatsgalerie Teil 1 nicht erfolgen, welches die Verschiebung der
Fertigstellung dieser Folgemaßnahme verursachte. Durch den verzahnten Bauablauf
der Maßnahme der Stuttgarter Straßenbahnen AG Staatsgalerie und des Tiefbahnhofs
würde dies auch zu einer Verzögerung des Bauablaufes am Tiefbahnhof
führen.

Auch die Herstellung der Bauabschnitte 21 [Trogfeld] und 8.7c [Stadtbahnverlegung Haltestelle Staatsgalerie, Achse 34 Richtung Hbf] verzögerte sich in Folge späterer Inbetriebnahme des Dükers. Dadurch verzögerte sich auch die Inbetriebnahme der neuen Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie. Davon ist wiederum der Abbruch der bestehenden Haltestelle Staatgalerie im Bauabschnitt 24 abhängig, wodurch sich
die Fertigstellung des Südkopfes verzögert.

Des Weiteren hängt auch der Bauablauf des Tiefbahnhofs direkt mit der Fertigstellung
des Dükers Nesenbach zusammen. Der Düker Nesenbach wird in offener
Bauweise unter dem Tiefbahnhof gebaut. Dies hat zur Folge, dass die Bauabschnitte
19/ 20 und 21 erst nach Fertigstellung des Dükers gebaut werden können. Dieser
weitere Zusammenhang verdeutlicht einmal mehr die Verknüpfung zwischen Düker
Nesenbach und dem Tiefbahnhof. Dadurch hat eine Verschiebung im Bauablauf des
Dükers eine direkte Verschiebung der Bauabläufe des Tiefbahnhofs zur Folge, bis
hin zur Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs…“.

Dies bedeutet:

  • Ohne die Herstellung des Dükerunterhauptes kann die Bahn mit der Herstellung der Trogbaufelder 19 und 20 für den „Tiefbahnhof“ nicht beginnen.
  • Die SSB kann die neue Haltstelle Staatsgalerie und anschließend die neuen Tunnel Richtung Charlottenplatz erst bauen, wenn die Bahn den Trogbaublock 22 hergestellt hat.
  • Erst wenn die neue SSB-Haltestelle zumindest für die Strecke zum Charlottenplatz in Betrieb genommen wurde (aktueller Zeitplan SSB: 2018), kann die Bahn die alte Haltestelle abreissen und anschließend den Trogblock 24 für den Anfahrbereich Süd bauen.
  • Erst mit zeitlich abgestimmten und eng verzahnten Bauarbeiten des Dükeroberhauptes mit den beiden neuen SSB-Tunnel Richtung Hauptbahnhof kann der Nesenbachdüker fertiggestellt werden.
  • Erst wenn der Nesenbachdüker in Betrieb genommen wurde, kann die Bahn mit den Bauarbeiten für das Trogbaufeld 21, auf dem noch der alte Nesenbachkanal verläuft, starten.

Aufgrund des bisherigen Baufortschritts und der schwierigen geologischen Verhältnisse im Stuttgarter Talgrund kann man äußerst skeptisch sein, ob die Bahn trotz des Zeitverzugs die komplexen Bauabläufe bis zur geplanten Inbetriebnahme von Stuttgart 21 Ende des Jahres 2021 realisiert. Nach dem von der Bahn auf der Bezirksbeiratssitzung Mitte im März 2013 präsentierten Zeitplan müsste der Rohbau des „Tiefbahnhofs“ bereits bis Ende 2019 fertig gestellt sein, damit anschließend noch der erforderliche Zeitraum von zwei Jahren für die eisenbahntechnische Innenausrüstung  und den Probebetrieb zur Verfügung steht.

Auch die SSB weist wiederholt daraufhin, dass sie vom Baufortschritt der Bahn bei der Herstellung des Trogbaufeldes 22 und des Nesenbachdükers abhängig sei. Wir haben bereits über die ersten Verzögerungen und ihre Auswirkungen auf die Unterbrechungen der U-Bahn-Strecken in unseren Beiträgen vom 12.11.2014 und 03.05.2015 berichtet.

Update 28.Mai: In der 14.Planänderung ist der Zeitplan für die Herstellung des Nesenbachdükers und den Rückbau des bisherigen Nesenbachkanals mit 3,5 Jahren angesetzt. Mehr Informationen zu den in der Planänderung aufgeführten einzelnen Baustufen finden Sie im Kommentar von Charly (19:31).

Update 9.Juni: Hans Heydemann von den Ingenieuren 22 hat auf der 274. Montagssdemo zum Baustart des Dükers Probleme und Gefahren kritisiert. Seine Rede können Sie hier abrufen. Die beiden Stuttgarter Zeitungen (StZ/StN) berichten heute über den Baustart und die auf der Montagsdemo geäußerte Kritik.

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