Antwort des EBA auf die Anfrage des Netzwerks Wangen / Untertürkheim zum erhöhten Wasserandrang

Die Bahn musste Mitte Juni einräumen, dass die Bauarbeiten am Stollen beim Zwischenangriff Ulmerstraße wegen des deutlich erhöhten Wasserandrangs nur in sehr geringem Umfang vorankommen. Daher hatte das Netzwerk Wangen/Untertürkheim in einem Brief beim Eisenbahn-Bundesamt wegen der Auswirkungen auf die Standsicherheit der Häuser und der dem EBA vorliegenden Gutachten nachgehakt (hier). Auch auf der Bezirksbeiratssitzung in Wangen am 22.7.2014 musste Matthias Breidenstein, der Projektleiter des Bauabschnitts PFA 1.6., von erschwerten Bedingungen der Vortriebsarbeiten berichten (hier). Statt der ursprünglich geplanten Wassermenge von max. 1 l/s würden bis zu 3 l/s, d.h. die dreifache Menge, auftreten. Von dem 90 Meter langen Stollen seien daher nur 12 Meter fertiggestellt.

Jetzt hat das Eisenbahn-Bundesamt dem Netzwerk Wangen / Untertürkheim in einem Brief geantwortet, dass trotz des erhöhten Wasserandrangs keine Auswirkungen auf die Gebäude zu befürchten seien. Lesen Sie hier. Vier Stellungnahmen lägen zwar dem EBA vor, aber jedoch keine Gutachten. Ob die Bahn Gutachten darüber besitzt, entzieht sich schlicht „der Kenntnis des Eisenbahn-Bundesamtes“, das eigentlich hier als Aufsichtsbehörde agieren müsste. Unterlagen könnte das Netzwerk derzeit auch nicht einsehen. Das Netzwerk will jedoch nachhaken.

Die deutlich erhöhten Wassermengen werfen auch die Frage nach der Planungsqualität für die langjährigen Bauarbeiten auf.

Noch in der beantragten und immer noch nicht vom EBA genehmigten Planänderung  Grundwassermanagement war für die ersten fünf Bauschritte des PFA 1.6a eine Reduzierung der Wasserentnahmemenge vom 80.000 auf 60.000 m/3 bzw. durchschnittlich von 0,5 auf 0,3 l/s die Rede. Die geringere Wasserentnahmemenge für den PFA 1.6a wurde auch von den Gutachtern der Bahn auf der Erörterung zum Grundwassermanagement betont. Einwände von betroffenen Eigentümern über den schwierigen Stuttgarter Untergrund entlang der ehemaligen Flussauen des Neckartals und seiner angrenzenden Hänge wurden damals von den Bahngutachtern mit dem Hinweis auf die Erkenntnisse aus den zahlreichen Bohrungen und das verifizierte Grundwassermodell abgeschmettert. Auch die Kritik des BUND- Sachverständigen Dr. Lueger an der Prognosetauglichkeit der Grundwassermodelle wurde vom Regierungspräsidium in seinem Anhörungsbericht  durchweg als unbegründet eingeschätzt.

Jetzt zeigen jedoch die ersten Vortriebsmeter am Stollenbau, der vom Schacht an der Ulmerstraße vorangetrieben wird, wie sehr die Bahn mit ihren gutachterlichen Einschätzungen daneben lag. Für den Zwischenangriff Ulmer Straße sah die Anlage 20.1. wasserrechtliche Tatbestände der Planänderung auf S. 37  sogar eine Reduzierung des anfallenden Grundwassers  um fast 60 % von 11.000 auf 4.200 m/3 vor. Ingesamt rechnete die Bahn beim Bau des Stollens nach diesen Planungsunterlagen aufgrund der geologischen Verhältnisse mit einem Wasserandrang von nur 0,2 bis 0,4 l/s (statt bis zu 3 l/s !). In der Erläuterung hieß es auf Seite 37 unten:

Der geplante Zwischenangriff kommt – mit Ausnahme des Eingriffsbereich des Schachtbauwerks in das ergiebig quartäre Grundwasservorkommen – überwiegend in Grundwassergeringleitern bzw. -hemmern mit sehr geringen Grundwasserfließgeschwindigkeiten und geringem hydraulischem Gefälle zum liegen…

Dass bereits bei den ersten Vortriebsarbeiten für einen Stollen so starke Abweichungen von den Prognosen  festzustellen sind, lässt leider befürchten, dass nicht nur der Wasserandrang, sondern auch die Risiken beim Tunnelbau für die darüberliegenden Gebäude nur unzureichend eingeschätzt wurden.

Ebenfalls stellt sich die Frage, ob durch den erhöhten Wasserandrang die Gefahr besteht, dass das unterhalb eines Grundstücks an der Ulmerstraße mit Schadstoffen belastete Grundwasser  (siehe 4.2.2. S.38) verschleppt wird. Die Planungsunterlagen sahen jedenfalls auch bereits bei den geringen Wasserandrangsraten eine Reinigung des schadstoffhaltigen Wassers, z.B. durch Aktivkohlefilter, vor.

Weitere Informationen zu den Bauverzögerungen wegen des erhöhten Wasserandrangs in Wangen finden Sie auf der Webseite www.geologie.de.

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