Zum aktuellen Baufortschritt beim Tunnelbau für Stuttgart 21. Noch 50 Kilometer müssen vorgetrieben werden

Die Vortriebsarbeiten laufen derzeit unter den Wohngebieten Wangen, Kernerviertel, Killesberg und Degerloch. Weiterhin sind die vom Tunnelbau betroffenen Anwohner auf die reinen Vortriebszahlen angewiesen, die das Kommunikationsbüro jeweils Montags auf die Seite einstellt. Eine grafische Übersicht auf www.biss21.de über die Vortriebsstände unter den Wohngebieten, wurde zwar bereits im Januar angekündigt, ist aber technisch noch nicht realisiert. Nette Spielerei, aber für die Anwohner erst einmal wenig hilfreich, sind die 360 Grad Panoramen der Tunnelbaustellen. Seit gestern kann auf der Webseite des Kommunikationsbüros (hier) in den Zwischenangriff Ulmer Straße in Wangen mit Panoramaaufnahmen „hineingeklickt“ werden.

Aktuell zum 5.Oktober 2015 sind für den Bau von Stuttgart 21 rund 8,8 der rund 59 Kilometer aufgefahren. Die entspricht rund 15 % der geplanten Tunnelstrecke. 50 Kilometer müssen noch gegtaben werden. Eine Übersicht der Netzwerke über die wöchentlich seit Juli 2014 veröffentlichten Tunnelvortriebsstände finden Sie hier. Der Stand des Vortriebsstand und die in den letzten drei Monaten täglich hergestellten Meter weichen in den einzelnen Tunnelröhren deutlich von einander ab:

Die Stuttgarter Nachrichten berichteten gestern (hier) ausführlich über den Bau des Fildertunnels, der in drei Abschnitten mit einem bergmännischen Zwischenstück gebaut wird. Die tägliche Strecke, die die Tunnelbohrmaschine zurück legt, hat sich in den letzten Monaten wegen der „geologischen schwieriger werdenden Bedingungen“ deutlich verlangsamt. Dennoch liegt die Maschine im Zeitplan. Der obere maschinell aufgefahrene rund 4 Kilometer lange Fildertunnel soll laut StN bis Mitte Oktober realisiert sein. Anschließend wird die Maschine in einem sechsmonatigen Zeitraum zerlegt, zurückgezogen und am Fildertunnelportal wieder zum Vortrieb der zweiten Röhre des oberen Fildertunnels aufgebaut. Parallel zum maschinellen Vortrieb soll eine Röhre des rund 1,15 Meter langen mittleren Fildertunnels im Übergangsbereich zum Anhydrit bergmännisch gegraben werden. Wegen des zeitgleichen Baus hat die Bahn eine Planänderung zu Verdoppelung der Baueinrichtungsfläche am Fildertunnelportal beantragt.

Die StN berichtet auch über das Verzweigungsbauwerk, das unterhalb des Kernerviertels auf Höhe der Jugendherberge gebaut wird. Nicht erwähnt ist, dass nach den Planungen der Bahn dieses eigentlich im Oktober 2015 fertiggestellt sein sollte. Auf der gestrigen Anwohnerveranstaltung im Rathaus war jetzt von „im Laufe des Jahres 2016“ die Rede. Erst danach können die Vortriebsarbeiten Richtung Wangen, dem Anfahrbereich des Kernerviertels und Richtung der Wendekaverne starten. Auch in Wangen sind wegen der nur langsam vorankommenden Vortriebsarbeiten die Zeitpläne, die noch im Juli 2014 auf der Bezirksbeiratssitzung vorgestellt wurden, Makulatur. Danach sollten die Vortriebsarbeiten Richtung Hauptbahnhof Ende 2015 und die Richtung Obertürkheim Mitte 2016 realisiert sein.

Zum Schluss noch die Übersicht über den monatlichen bergmännischen und maschinellen Vortrieb, den wir anhand der wöchentlichen Zahlen zusammen gestellt haben. Auch im September wurde die monatliche 1.000 Meter Marke nicht erreicht, die Bahnvorstand Volker Kefer im April 2014 vor dem Verkehrsausschuss des  Bundestages als Hausnummer für die Realisierung des Tunnelbaus für Stuttgart 21 angegeben hatte.

Laut Bahn ist die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 ohne den Filderabschnitt zum Dezember 2021 weiterhin nicht gefährdet. Wir haben jedoch bereits mehrfach berichtet, dass aus unserer Sicht die Fertigstellung von Stuttgart 21 zum offiziellen Termin Ende 2021 auch mit den 1.000 Meter monatlich unrealistisch ist (18.09.2015 / 25.7.2015 /08.05.2015). Die bergmännisch aufgefahrenen Tunnelröhren müssen anschließend noch verschalt und der eisenbahntechnisch ausgerüstet und getestet werden.  Daher ist die Formulierung in den Medien, dass alle 8,8 Kilometer -auch die der bergmännischen Strecken- „betoniert“ sprich verschalt seien, etwas irreführend. Nach unserer- wenn auch sehr groben überschlägigen Hochrechnung auf Basis der derzeitigen durchschnitllichen monatlichen Vortriebszahlen – würde die Bahn allein für den Vortrieb der bergmännischen Tunnelstrecken mehr als 7 Jahre für die noch rund 38,8 Kilometer benötigen. Die Anwohner an den Tunnelportalen und den Baulogistikstraßen müssten sich danach auf längere Bauzeiten und Belastungen einstellen.

Dass wir mit unserer Skepsis nicht alleine sind, zeigt die Kolumne der Stuttgarter Nachrichten (hier) über die Facebook-Seite, die bereits zum „Save-the-date“ zur feierlichen Eröffnung von Stuttgart 21 am 9.Dezember 2022 aufruft und bei der sich schon Tausende angemeldet haben. Der Sprecher der DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH weist selbstverständlich auf die Fertigstellung im Dezember 2021 hin und die StN kommentieren dies lakoonisch mit den Worten: „Großer Bahnhof! Bis zum 17. Dezember 2022, 9.07 Uhr, werden noch mehr Termine dazukommen. Vielleicht sollten wir zur Vereinfachung einige zusammenwerfen. Save The Megadate! Am besten feiern wir die Eröffnung des Stuttgarter Bahnhofs und des Berliner Flughafens zusammen in der Elbphilharmonie. Aber nicht vor 2030. Vorher wird ja doch nix fertig.“

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