StZ: Spritzmittel verunreinigt Untergrund

Die Stuttgarter Zeitung berichtet heute (hier), dass das Umweltamt der Stadt Stuttgart auf Nachfrage der Ingenieure22 einräumen musste, dass ein Teil des Abstellbahnhofs im Rosensteinpark wegen eines Altlastenfalls mit dem seit 1990 verbotenen Pflanzenschutzmittel Bromacil verunreinigt ist.  Entgegen der ersten Vermutung der Ingenieure22 handelt es sich bei dem im Februar gefundenen Messprotokoll nicht um die „Rostbrühe“ aus dem blauen Rohren,  sondern um Wasserproben, die im Zuge der Bodensanierung entnommen wurden.

So schreibt die StZ: „ Wie viel Bromacil auslief, ist der Stadt und der Bahn unbekannt. Nach Angaben von Wolff erstreckt sich der Schadstoff bis in zehn Meter Tiefe. „Zahlreiche Maßnahmen“ seien ergriffen worden, so Wolff, um die Verunreinigungen zu beseitigen. So sei Erdreich ausgebaggert, das Grundwasser über Aktivkohlefilter gereinigt und abgepumpt worden. Seitdem würden in einem Sanierungsbrunnen, aber auch aus Grundwassermessstellen und dem Leitungssystem des eigenständigen Bromacilschadens regelmäßig Proben entnommen und die Entwicklung beobachtet.“

Es ist damit zu rechnen, dass der Boden im Bahnhofsbereich und besonders beim Abstellbahnhof stark schadstoff belastet ist und vor einer Bebauung erst einmal zeitaufwendig und mit viel Geld saniert werden muss.  Im Vertrag über den Grundstückskauf mit der Stadt Stuttgart war ein anteiliger Betrag der Bahn von 14,83 Mio. Euro (Welt) für die Beseitigung von Altlasten auf den veräußerten Grundstücken berücksichtigt. Auch das ISAS ( InformationsSystem Altlasten Stuttgart) weist den gesamten Bereich des Abstellbahnhofs als Altlastenverdachtsfläche aus:

Altlastenverdachtsflaeche

Die ist bekanntermaßen kein Einzelfall. Nach einem Bericht des Spiegels (hier)  sind  tausende von begehrten Bahn-Betriebsflächen „mit giftigen Substanzen belastet. Bis die Kontamination überall beseitigt ist, werden Jahrzehnte vergehen„. Bekannte Beispiele ist das Bahngelände in Hamburg-Altona (Spiegel) oder in Lindau (Grüne-Fraktion Bayern). Das Eingeständnis des Stuttgarter Umweltamtes über den Bromacil-Schadensfall ist dazu die erste handfeste Information im Bereich des Abstellbahnhofs, die allerdings im Zuge des Planänderungsverfahrens zur Verdoppelung der Grundwasserentnahmemenge bei Stuttgart 21 nicht an die Öffentlichkeit drang.

Auf der Parkschützerseite sind einige Hinweise zu lesen, u.a. auch die von der StZ wieder entfernte zweite Seite über die Auswirkungen des Pflanzenschutzmittel Bromacil . Die Vorträge des ehemaligen Leiters der Abteilung Sonderabfall/Altlasten am Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart, Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Chem. Erwin Thomanetz zu den Bodenbelastungen in Stuttgart und das geplante Grundwassermanagement bei Stuttgart 21 und weitere Links finden Sie in den Geologie21-Beiträgen von 2011 und 2012.

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