{"id":9485,"date":"2015-06-14T00:57:38","date_gmt":"2015-06-13T22:57:38","guid":{"rendered":"http:\/\/netzwerke-21.de\/?p=9485"},"modified":"2016-01-14T19:09:01","modified_gmt":"2016-01-14T17:09:01","slug":"gutachter-prueft-fuer-eba-gruendung-des-tiefbahnhofes-und-die-auswirkungen-fuer-nachbarbauwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerke-21.de\/?p=9485","title":{"rendered":"Gutachter pr\u00fcft f\u00fcr das Eisenbahn-Bundesamt die Gr\u00fcndung des Tiefbahnhofes und die Auswirkungen f\u00fcr Nachbarbauwerke"},"content":{"rendered":"<p>Das Eisenbahn-Bundesamt hat <a href=\"http:\/\/www.gudconsult.de\/index.php?id=116\" target=\"_blank\">Prof. Dr. \u2013 Ing. Kurt-Michael Borchert<\/a> (GuD Geotechnik und Dynamik Consult GmbH, Berlin) als geotechnischen Sachverst\u00e4ndigen beauftragt, der die Pl\u00e4ne der Bahn f\u00fcr die Gr\u00fcndung des &#8222;Tiefbahnhofes&#8220; und die wechselseitige Beeinflussung von Nachbarbebauung und Baugrube baubegleitend \u00fcberpr\u00fcfen soll. Die Konstruktion des &#8222;Tiefbahnhofes&#8220; mit seinen Kelchst\u00fctzen und Lichtaugen sowie der geologisch schwierige Untergrund stellt hohe Anforderungen an die Gr\u00fcndung dar, da <a href=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/GuD-aktuell-Dez-2013-Stuttgart-211.jpg\" target=\"_blank\">&#8222;<\/a><em><a href=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/GuD-aktuell-Dez-2013-Stuttgart-211.jpg\" target=\"_blank\">das Kelchdach sehr empfindlich auf Setzungsdifferenzen reagiert&#8220;<\/a>. <\/em>F\u00fcr die Gr\u00fcndung des &#8222;Tiefbahnhofes&#8220; sowie seiner Anfahrbereiche am Nord- und S\u00fcdkopf sind \u00fcber 4.000 Ramm- bzw. Bohrpf\u00e4hle erforderlich.<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Letzen Montag sprach er in einer <a href=\"http:\/\/www.uni-stuttgart.de\/hkom\/veranstaltungen\/veranstaltungskalender\/termine\/termin0024.html\" target=\"_blank\">Vortragsreihe \u00fcber aktuelle Fragestellungen aus der Geotechnik an der Universit\u00e4t Stuttgart\/Institut f\u00fcr Geotechnik<\/a>. Er hatte bereits 2014 in einem Vortrag \u00fcber den Stand seiner Pr\u00fcfarbeit berichtet. Seinen damaligen Vortrag anl\u00e4sslich eines Symposiums, der f\u00fcr Interessierte viele Informationen enth\u00e4lt, k\u00f6nnen Sie <a href=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Borchertetal_HLS_20141.pdf\" target=\"_blank\">hier <\/a>abrufen. Bereits damals wies er daraufhin, dass die Bestimmung der Bodenkennwerte durch den Bodensachverst\u00e4ndigen und die darauf aufbauende geotechnische Pr\u00fcfung auch aufgrund der heterogenen Bodenverh\u00e4ltnisse im Stuttgarter Baugrund sehr komplex seien: &#8222;<em>Insbesondere wenn \u00f6rtlich, wie bei der Bauma\u00dfnahme Stuttgart 21 dann auch noch lokal variierende Baugrundverh\u00e4ltnisse vorkommen (stark variierende Verwitterungsgrade des Gipskeupers, M\u00f6glichkeit des Vorliegens von Dolinen) ist die Ermittlung von standortspezifisch \u201ekorrekten\u201c bodenmechanischen Kennwerten keine einfache Aufgabe.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die Nachrechnungen der Probebelastungen f\u00fcr die Ortbetonrammpf\u00e4hle stellt aus seiner Sicht eine gro\u00dfe Herausforderung dar, bei der eine ingenieurpraktische L\u00f6sung auf dem aktuellen Stand der Forschung erst noch entwickelt werden m\u00fcsse. Auch die Auswirkungen von Rammarbeiten auf die anderen Pf\u00e4hle innerhalb einer Pfahlgruppe seien komplex. Nahgelegene, frisch gesetze Pf\u00e4hle k\u00f6nnten beispielsweise durch Risse im Beton in ihrer Tragf\u00e4higkeit beeintr\u00e4chtigt werden.<\/p>\n<p>Auch die Beurteilung der Auswirkungen der Gr\u00fcndungs- und Tiefbauarbeiten auf Nachbarbauwerke ist Teil seiner Arbeit. Als Beispiel nannte er zum einen das Geb\u00e4ude der LBBW, bei dem bis auf n\u00e4chster N\u00e4he die Bauarbeiten f\u00fcr den Trogbau stattfinden. Die vorderen S\u00e4ulen des Geb\u00e4udes sind extrem setzungsempfindlich. Aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden wurden sie damals beim Bau des Geb\u00e4udes k\u00fcrzer als eigentlich erforderlich in den Boden gegr\u00fcndet. Die prognostizierten 3mm (!) Senkungen\u00a0 h\u00e4tten dem Geb\u00e4ude Sch\u00e4den zugef\u00fcgt. Diese Prognosen hatten nach Aussage von Prof. Borchert lange Diskussionen auf der Ebene der LBBW- und Bahnvorst\u00e4nde ausgel\u00f6st. Daher mussten technisch aufwendige senkrechte Hebungsinjektionen bei den beiden Pf\u00e4hlen bis auf 0,5 bis 1 mm durchgef\u00fchrt werden. <a title=\"Baustatische Untersuchung zum Bahnhofsgeb\u00e4ude: Machbarkeitsstudien erst nach Baugenehmigung ?\" href=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/?p=6767\" target=\"_blank\">Wir hatten \u00fcber den Rechtstreit der LBBW kurz berichtet.<\/a>\u00a0\u00a0<em>(Anmerkung: Dass bereits bei so geringen Werten bei einem empfindlichen Geb\u00e4uden Sch\u00e4den enstehen k\u00f6nnen, ist vor dem Hintergrund der weit h\u00f6heren prognostizierten Senkungen f\u00fcr die Geb\u00e4ude entlang der Tunnelstrecken sehr interessant).<\/em> Als weiteres Beispiel f\u00fcr seine Pr\u00fcfarbeit nannte Prof. Borchert das knappe Unterfahren und das Auffangen der denkmalgesch\u00fctzten Bahndirektion. Hier m\u00fcssten komplexe statische Probleme, insbesondere die Lastverminderung auf die darunterliegenden SSB-Tunnel, gel\u00f6st werden.<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung von Prof. Borchert sind die geotechnisch hoch komplexen Fragestellungen beim Bau des &#8222;Tiefbahnhofes&#8220; l\u00f6sbar. Allerdings wies er in seinem Vortrag auf zahlreiche kritische Punkte hin, die &#8211; auch vor dem schleppenden Baufortschritt aufhorchen lassen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Bahn wird im Stuttgarter Talgrund Grundwasserabsenkungen in gro\u00dfem Ma\u00dfe vornehmen, &#8222;<em>wie es sonst in Deutschland nicht mehr \u00fcblich sei.<\/em>&#8220; In dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung wurde in Berlin nur noch vor dem Krieg abgesenkt. Die daraufhin eingetretenen Probleme bei Holzpfahlgr\u00fcndung seien zum Teil heute noch sp\u00fcrbar. <em>(Anmerkung: heute werden in der Regel Betonierarbeiten unter Wasser vorgenommen. Dieses Bauverfahren ist jedoch teurer. Die Bahn setzt dieses Verfahren lediglich beim Nesenbachd\u00fcker nach einer genehmigten Plan\u00e4nderung ein).<\/em><\/li>\n<li>Bei seiner Pr\u00fcfung bem\u00e4ngelte er fehlende Nachweise der Gebrauchtauglichkeit (d.h. der Auswirkungen der Baut\u00e4tigkeit) f\u00fcr die die Nachbargeb\u00e4ude. Es lagen nur Ermittlungen der resultierenden Verformungen vor. Die Festlegung von Schwellen-, Alarm- und Eingreifwerten fehlte. Herstellungsbedingte Verformungen bilden die Programme noch nicht ab. Eine Einstufung in &#8222;empfindliche&#8220; und &#8222;nichtempfindliche&#8220; Bauwerke war teilweise nicht begr\u00fcndet. <em>(Anmerkung: die Bahn hatte erst im Laufe des Plan\u00e4nderungsverfahrens zum Grundwassermanagment auf Druck der Stadt Stuttgart sowie der Fachbeh\u00f6rden und der Einw\u00e4nde der in den Netzwerke zusammengeschlossenen Betroffenen eine geotechnische Stellungnahme \u00fcber die Auswirkungen der jahrelangen Absenkungen und Infiltrationen nachgereicht. <a title=\"Das geotechnische Gutachten zur Geb\u00e4udesicherheit \u2013 ein Beispiel f\u00fcr den bisherigen Umgang der Bahn mit den betroffenen Anwohnern\" href=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/?p=1977\" target=\"_blank\">Wir haben dar\u00fcber berichtet.<\/a> Die Netzwerke hatten damals auf der m\u00fcndlichen Er\u00f6rterung kritisiert, dass der Gutachter der Bahn in der <a title=\"Stellungnahmen zur Geotechnik betreffend der Plan\u00e4nderungsverfahren f\u00fcr das Grundwassermanagement\" href=\"http:\/\/www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de\/no_cache\/mediathek\/detail\/media\/stellungnahmen-zur-geotechnik-betreffend-der-planaenderungsverfahren-fuer-das-grundwassermanagement\/mediaParameter\/show\/Medium\/\" target=\"_blank\">geotechnischen Stellungnahme \/ S.81ff <\/a>bei einigen &#8211; auch historischen Geb\u00e4uden &#8211; als &#8222;worst-case&#8220; eine Flachgr\u00fcndung unterstellt, ohne die tats\u00e4chlichen Gr\u00fcndungsverh\u00e4ltnisse den Berechnungen zugrunde zu legen).<\/em><\/li>\n<li>Die Wahl des Bodenprofils war zum Teil nicht begr\u00fcndet. Es wurden punktuelle Bohraufschl\u00fcsse f\u00fcr die Bemessungen verwendet. Bodenkennwerte wurden teilweise interpoliert (Annahme von Eigenschaften zwischen bekannten Punkten)<br \/>\naber auch regelwidrig extrapoliert (Annahme der Eigenschaften weiter entfernter Punkte au\u00dferhalb des untersuchten Bereichs).\u00a0 &#8222;<em>Eine r\u00e4umliche Variabilit\u00e4t des Baugrundes&#8220;<\/em> so der Pr\u00fcfer<em> &#8222;sei jedoch bei diesem &#8222;Linienbauwerk&#8220; zu ber\u00fccksichtigen.&#8220; (Anmerkung: die Bahn hatte auch in der Schlichtung (<a href=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Folie-Erkundungsbohrungen-Schlichtung-Prof-Laechler1.jpg\" target=\"_blank\">Folie<\/a>) betont, dass im Vorfeld umfangreiche Bodenerkundungen gemacht wurden).<\/em><\/li>\n<li>Die rechnerischen Nachweise f\u00fcr die\u00a0 Franki-Rammpf\u00e4hle gestalten sich als technisch sehr schwierig. Hier m\u00fcsse man sich schrittweise herantasten. Prof. Borchert zeigte sich auf seinem Vortrag erstaunt, dass &#8222;<em>dass man da noch nie was hatte oder gezeigt hatte<\/em>.&#8220; Auch bei der Modulierung von Pfahlgruppen , d.h. der gegenseitigen Beinflussung der nahgelegenen Pf\u00e4hle, sei er als Pr\u00fcfer \u00fcberrascht gewesen, wie &#8222;<em>wenig Material von den Firmen geliefert wurde.&#8220;<\/em><\/li>\n<li>Nach Einsch\u00e4tzung des Pr\u00fcfers sind &#8222;<em>die resultierende Steifigkeit am Pfahlfu\u00df und die r\u00e4umliche Ausdehnung der Verspannungen am Fu\u00df und um den Pfahl sind jedoch derzeit mit klassischen Verfahren der Geotechnik nicht prognostizierbar.<\/em>&#8220; Die m\u00f6glichst realist\u00e4tsnahe Simulationen des Gesamtsystems sei derzeit noch in der Entwicklung.<\/li>\n<li>Die zus\u00e4tzlichen Belastungen f\u00fcr die geplanten Bodenaufsch\u00fcttungen von 6 Metern auf dem Dach des &#8222;Tiefbahnhofs&#8220; mussten noch berechnet werden.<\/li>\n<li>Erdbebennachweise f\u00fcr kleinere Bauwerke (Br\u00fccken, Rohrleitungen) fehlten. Diese sind erforderlich, da Stuttgart in der Erdbebenzone 1 liegt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Teil dieser Kritikpunkte finden sich in zwei seiner Folien wieder (<a href=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Vortrag-Geotechnik-Gruendung-Tiefbahnhof-b2.jpg\" target=\"_blank\">Folie 1<\/a>\/<a href=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Vortrag-Geotechnik-Gruendung-Tiefbahnhof-c2.jpg\" target=\"_blank\">Folie2<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Eisenbahn-Bundesamt hat Prof. Dr. \u2013 Ing. Kurt-Michael Borchert (GuD Geotechnik und Dynamik Consult GmbH, Berlin) als geotechnischen Sachverst\u00e4ndigen beauftragt, der die Pl\u00e4ne der Bahn f\u00fcr die Gr\u00fcndung des &#8222;Tiefbahnhofes&#8220; und die wechselseitige Beeinflussung von Nachbarbebauung und Baugrube baubegleitend \u00fcberpr\u00fcfen &hellip; <a href=\"https:\/\/netzwerke-21.de\/?p=9485\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[31,27,12,72,21,20,58,10],"tags":[],"class_list":["post-9485","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-eisenbahn-bundesamt","category-erschuetterungen","category-gebaeuderisiken","category-hebungsinjektionen","category-kernerviertel","category-killesberg","category-tiefbahnhof","category-veranstaltungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/netzwerke-21.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9485","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/netzwerke-21.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/netzwerke-21.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerke-21.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerke-21.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9485"}],"version-history":[{"count":55,"href":"https:\/\/netzwerke-21.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9485\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11232,"href":"https:\/\/netzwerke-21.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9485\/revisions\/11232"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/netzwerke-21.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9485"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerke-21.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9485"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerke-21.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9485"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}