{"id":21397,"date":"2016-12-04T19:19:13","date_gmt":"2016-12-04T17:19:13","guid":{"rendered":"http:\/\/netzwerke-21.de\/?p=21397"},"modified":"2016-12-10T20:42:34","modified_gmt":"2016-12-10T18:42:34","slug":"gutachter-attestieren-stuttgart-21-unterschaetzte-risiken-beim-tunnelbau-und-betrieb-wegen-anhydrit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerke-21.de\/?p=21397","title":{"rendered":"Bahngutachter attestieren Stuttgart 21 untersch\u00e4tzte Risiken beim Tunnelbau und -betrieb wegen Anhydrit"},"content":{"rendered":"<p>Projektgegner, kritische Geologen und betroffene Anwohner hatten immer wieder wegen des t\u00fcckischen, quellf\u00e4higen Anhydrit-Gestein vor den Bau- und Betriebsrisiken des geplanten unterirdischen Bahnknotens gewarnt. Rund sechzehn der innerst\u00e4dtischen zweiundvierig Tunnelkilometer f\u00fcr Stuttgart 21 sollen durch den Anhydrit verlaufen. Wir hatten mehrfach \u00fcber das von der Bahn untersch\u00e4tzte Risiko durch den quellf\u00e4higen Anhydrit berichtet, wie beispielsweise in <a title=\"Bauarbeiten im quellf\u00e4higen Anhydrit: \u201eStaufen warnt Stuttgart\u201c&quot;\" href=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/?p=8201\" target=\"_blank\">&#8222;Bauarbeiten im quellf\u00e4higen Anhydrit: \u201eStaufen warnt Stuttgart\u201c&#8220;<\/a> ,\u00a0 <a title=\"&quot;StN: Das unterirdische Gebirge hat seine eigenen Gesetze&quot;\" href=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/?p=16988\" target=\"_blank\">&#8222;StN: Das unterirdische Gebirge hat seine eigenen Gesetze&#8220;<\/a> ,<br \/>\n&#8222;<a title=\"Zum neuen Bauverfahren im Anhydrit. Von Netzwerken 21 beauftragter Geologe warnte vor Gefahr des Wasserzutritts\" href=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/?p=17846\" target=\"_blank\">Zum neuen Bauverfahren im Anhydrit. Von Netzwerken 21 beauftragter Geologe warnte vor Gefahr des Wasserzutritts&#8220;<\/a>\u00a0 oder die Rede des Geologen Dr. Ralf Laternser &#8222;<a href=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/?p=21063\" target=\"_blank\"><em>Dauerbaustelle Engelbergtunnel \u2013 und t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft der Anhydrid!&#8220;.<\/em><\/a><\/p>\n<p>Einw\u00e4nde in den Planfeststellungs- und Klageverfahren wurden lediglich zu den Akten genommen. Auch in der Schlichtung hatte der junge Geologe Dr. Jakob Sierig gegen den renommierten Tunnelbauingenieur Prof. Walter Wittke (WBI) von vorne herein keine Chance. Als Sachverst\u00e4ndiger beim Tunnelbau f\u00fcr Stuttgart 21 ist der &#8222;Tunnelbaupapst&#8220; unfehlbar.<\/p>\n<p>Dieses Dogma des Gro\u00dfprojekts galt bis Freitag. Erstmals hat ein von der Bahn selbst in Auftrag gegebenes, streng vertrauliches Gutachten beim Tunnelbau von fast 16 Kilometern in dem stark quellf\u00e4higem Anhydrit deutlich untersch\u00e4tzte Risiken f\u00fcr den Tunnelbau und -betrieb sowie f\u00fcr die dar\u00fcberliegenden Geb\u00e4ude attestiert. Die Stuttgarter Zeitung (<a title=\"Gutachter warnen vor Tunnel-Risiken\" href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgart-21-bahn-gutachter-warnen-vor-tunnel-risiken.2413fdd5-295b-430f-9203-65135f057b2a.html\" target=\"_blank\">hier<\/a>), Kontext (<a title=\"Kontext: S 21: Ein bodenloses Projekt\" href=\"http:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/politik\/296\/s-21-ein-bodenloses-projekt-4039.html\" target=\"_blank\">hier<\/a>), der SWR (<a title=\"SWR: S21 k\u00f6nnte Dauersanierungsfall werden\" href=\"http:\/\/www.swr.de\/landesschau-aktuell\/bw\/swr-recherche-zu-stuttgart-21-tunnelbau-s21-koennte-dauersanierungsfall-werden\/-\/id=1622\/did=18589948\/nid=1622\/199xqfm\/index.html\" target=\"_blank\">TV-Beitrag<\/a> \/<a title=\"SWR: \u00dcber Jahrzehnte hinweg teure Folgekosten?\" href=\"http:\/\/www.swr.de\/landesschau-aktuell\/bw\/nachgefragt-bei-swr-redakteur-kirchner-ueber-jahrzehnte-hinweg-teure-folgekosten\/-\/id=1622\/did=18596150\/nid=1622\/1kvz3q3\/index.html\" target=\"_blank\"> Kommentar<\/a>) und die Tagesschau (<a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/Tagesschau\/tagesschau-20-00-Uhr\/Das-Erste\/Video?bcastId=4326&amp;documentId=39309264\" target=\"_blank\">ab Min. 4:36)<\/a> berichten am Freitag ausf\u00fchrlich dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Verfasst wurde das Gutachten von der Frankfurter Wirschaftspr\u00fcfungsgesellschaft KPMG und dem schweizer Ingenieurb\u00fcro Ernst, Basler &amp; Partner.\u00a0 Das Gutachten st\u00fctzt sich laut StZ auf<em> &#8222;die wissenschaftlichen Erkenntnisse eines der weltweit f\u00fchrenden Experten, Professor Georgios Anagnostou von der Universit\u00e4t ETH in Z\u00fcrich. Der Fachmann f\u00fcr Geotechnik hat bei vielen gro\u00dfen Tunnelbauwerken wie dem Gotthard-Basistunnel in der Schweiz mitgewirkt&#8220;. <\/em>Die Stuttgarter Zeitung berichtet in einem sehr empfehlenswerten Artikel sehr ausf\u00fchrlich dar\u00fcber. Wir zitieren wegen der Relevanz dieser Meldung ausnahmsweise einen gr\u00f6\u00dferen Abschnitt. Die StZ schreibt u.a.:<\/p>\n<ul>\n<li><em>&#8222;Als \u201ekritisch\u201c stufen die Experten nur 1,26 km ein, davon allein 950 Meter beim Tunnel Feuerbach. Dort liegen die Anhydrit-Schichten in der unteren H\u00e4lfte der Tunnelquerschnitte, was Quellungen besonders problematisch macht.&#8220;<\/em><\/li>\n<li>&#8222;<em>Nach Einsch\u00e4tzung der externen Gutachter &#8222;k\u00f6nnten m\u00f6gliche Sch\u00e4den an den Tunnelbauten, die auf mehr als 15 Kilometern durch problematische Anhydrit-Schichten f\u00fchren sollen, im Extremfall zu teuren Sanierungen und Terminverz\u00f6gerungen von bis zu drei Jahren f\u00fchren. Dann w\u00fcrde S\u200a21 erst Ende 2024 fertig.&#8220;<\/em><\/li>\n<li><em>Zudem k\u00f6nnten durch die Anhydrit-Risiken sogar Neubauten von Teilen der Tunnel n\u00f6tig werden und dadurch Folgekosten entstehen, pro Schadensfall bis zu 195 Millionen Euro. Der Bahnbetrieb w\u00e4re bei gr\u00f6\u00dferen Tunnelsch\u00e4den \u00fcberdies \u201enicht mehr gew\u00e4hrleistet\u201c, warnen die Experten&#8220;.<\/em><\/li>\n<li><em>&#8222;Die Wahrscheinlichkeit, dass solch ein Schaden der h\u00f6chsten Risikostufe 3 eintritt, gibt die Studie bei den beiden je 2,9 Kilometer langen R\u00f6hren des Tunnels Feuerbach mit 4,5 bis 13,5 Prozent an. Bei der Westachse des Tunnels Bad Cannstatt liege dieses Risiko bei 2 bis 6 Prozent, bei den \u00fcbrigen Bauwerken bei h\u00f6chstens 1,5 Prozent&#8220;.<\/em><\/li>\n<li><em>&#8222;H\u00e4user k\u00f6nnten besch\u00e4digt werden. &#8230; Bei allen vier Tunnelbauwerken kann es den Gutachtern zufolge in solchen Extremf\u00e4llen auch zu Sch\u00e4den an der Oberfl\u00e4che und an Geb\u00e4uden \u00fcber den Tunneln kommen. \u201eDies h\u00e4tte Geb\u00e4udesanierungen bzw. Entsch\u00e4digungszahlungen zur Folge\u201c, hei\u00dft es im Bericht auf Seite 52. Solche Sch\u00e4den seien aber laut DB versichert und w\u00fcrden keine Mehrkosten bei S\u200a21 verursachen&#8220;. <\/em><\/li>\n<li><em>&#8222;F\u00fcr problematisch halten die Gutachter auch, dass sich die DB bei der Bewertung der Tunnelrisiken bisher nur auf diesen einzigen Berater gest\u00fctzt habe. Ein Beirat aus mehreren internationalen Fachleuten w\u00e4re die bessere L\u00f6sung gewesen, urteilt KPMG\/Basler.&#8220;<\/em><\/li>\n<li>Der SWR zitierte in seinem TV-Beitrag das Fazit dieses Abschnitts aus dem KPMG- Gutachten:<\/li>\n<\/ul>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-900x900\" src=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/SWR-Zitat-aus-KPMG-Gutachten-1024x575.jpg\" alt=\"swr-zitat-aus-kpmg-gutachten\" width=\"560\" height=\"314\" \/><\/em><\/p>\n<p>Besonders bemerkenswert ist, dass bei dieser Bewertung auch das zus\u00e4tzliche <a title=\"G\u00fcrtel und Hosentr\u00e4ger reichen nicht. Zum neuen 144 Millionen Euro teuren Bauverfahren im Anhydrit\" href=\"http:\/\/netzwerke-21.de\/?p=17608\" target=\"_blank\">144 Millionen teure Bauverfahren mit den Kunstharzinjektionen<\/a> ber\u00fccksichtigt wurde, das von WBI aufgrund der Erfahrungen mit dem Engelbergtunnel vorgeschlagen wurde.<\/p>\n<p>Die DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH weist in einer <a href=\"http:\/\/www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de\/turmforum\/aktuell\/newsdetail\/news\/fuer-stuttgart-21-tunnel-ueber-die-haelfte-der-anhydritlinsen-erfolgreich-durchfahren\/newsParameter\/detail\/News\/\" target=\"_blank\">Presseerkl\u00e4rung <\/a><em>&#8222;Medienberichte\u00a0 entschieden zur\u00fcck, wonach der Bau von Stuttgart-21-Tunneln im <dfn title=\"Anhydrit ist ein Mineral, das in Stuttgarter B\u00f6den vorkommt. Kristallisiert ist es ein fester Stoff, in Kontakt mit Wasser dehnt es sich stark aus und geht in Gips \u00fcber. Durch die Ausdehnung kann es enorme Kr\u00e4fte entwickeln.\">Anhydrit<\/dfn> angeblich nicht beherrschbar sei. Im Rahmen des Projekts Stuttgart 21 sind bereits \u00fcber die H\u00e4lfte der relevanten Anhydritlinsen erfolgreich durchfahren worden. S\u00e4mtliche dabei erhobenen Messwerte liegen signifikant unterhalb der Toleranzschwelle.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Diese Pressemitteilung zeigt jedoch, dass die Bahn erneut das Anhydrit-Risiko bewusst in der \u00d6ffentlichkeit herunterspielt. Nicht mehr aufhaltbare Quellprozesse im Anhydrit k\u00f6nnen auch erst nach Jahren starten. Oft reicht die Luftfeuchtigkeit, um das Quellen auszul\u00f6sen. Wie in der Presseerkl\u00e4rung einger\u00e4umt, sind bereits Quellprozesse am Laufen, wenn auch &#8222;unter der Toleranzschwelle&#8220;. Und die Pr\u00fcfer von Basler, Ernst und Partner hatten bei ihrem Besuch eines Tunnel Wasserzutritt festgestellt. So schrieb die SZ in ihrem Artikel \u201e<a title=\"SZ: Bahnprojekt Stuttgart 24\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/neuer-tiefbahnhof-bahnprojekt-stuttgart-1.3194017\" target=\"_blank\">Bahnprojekt Stuttgart 24<\/a>\u201c : &#8222;<em>So stellten die Pr\u00fcfer bei einer Besichtigung des Tunnels Bad Cannstatt Feuchtigkeit fest. Dabei habe die Projektgesellschaft der Bahn zuvor behauptet, die Tunnel seien in der Bauphase \u201eabsolut\u00a0trocken\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Das Aktionsb\u00fcndnis hat das KPMG-Gutachten ausgewertet und weist in der <a title=\"BAA: Stellungnahme zum Gutachten von KPMG von Diplom-Geologe Dr. Laternser\" href=\"https:\/\/www.bei-abriss-aufstand.de\/2016\/12\/03\/stellungnahme-zum-gutachten-von-kpmg-von-diplom-geologe-dr-laternser\/\" target=\"_blank\">Stellungnahme des Geologen Dr. Ralf Laternser<\/a> auch auf darin nicht ber\u00fccksichtigte Risiken, wie beispielsweise den Bau einer fabrikhallen gro\u00dfen Wendekaverne unter dem Kernerviertel\/Uhlandsh\u00f6he im \u00dcbergangsbereich zum quellf\u00e4higen Anhydrit hin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Projektgegner, kritische Geologen und betroffene Anwohner hatten immer wieder wegen des t\u00fcckischen, quellf\u00e4higen Anhydrit-Gestein vor den Bau- und Betriebsrisiken des geplanten unterirdischen Bahnknotens gewarnt. 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